Konkretes Projekt

Erziehung zu Toleranz, Demokratie und Selbstverantwortung durch den Körper

Zusammenfassung

Ziel des Projektes ist die Weiterentwicklung und Anwendung eines pädagogischen Konzeptes für Lehrer und andere Multiplikatoren mit effektiven neuen Methoden einer Ästhetischen Erziehung durch den Körper. Das Programm soll an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen eingeführt werden, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit unterschiedlichem sozialen und ethnischen Hintergrund zu einer nonverbalen Erkundung ihrer Unterschiedlichkeit zu führen und ein grundlegendes Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Respektes für sich und andere zu erzeugen, welches einer der wichtigsten Faktoren für Toleranz ist.

Situation

Entfremdung und Ausgrenzung aus sozialen und
ethnischen Gründen führen in postmodernen Gesellschaften (besonders bei Kindern und Jugendlichen) zu Autoaggression und Gewalt gegen einzelne andere und Gruppen.

Ziele

Ästhetische Bildung durch den Körper soll die Wahrnehmung der Menschen entwickeln, die Unterschiedlichkeit als Vielfalt vor dem Hintergrund grundlegender Gemeinsamkeit zu erleben. Die Entwicklung von Kreativität und eines inneren Maßstabes ermöglicht, Andersartigkeit ohne Bewertung nicht als Bedrohung, sondern kulturelle Bereicherung zu empfinden.

Methode

Wir benutzen eine Methode Ästhetischer Bildung, in der Tanzstile und Bewegungstechniken
aus verschiedenen Kulturen integriert und auf allen Menschen gemeinsame Archetypen zurückgeführt werden. Archetypen wie Geben und Nehmen, Vereinigung-Trennung, Führen-Sich Führen Lassen, und ähnliches werden körperlich erlebbar. Vor dem Hintergrund einer festen Struktur universeller Themen gibt es Spielraum für die individuelle Gestaltung und eine natürliche Anregung zur Zusammenarbeit.

Anwendbarkeit, Pädagogische Ansätze

Künstler, Sozialarbeiter, Pädagogen und andere Multiplikatoren können diese Weiterbildung in Schulen und Zentren aller Art nutzen. Unsere Arbeit ist seit über 10 Jahren als professionelle Ausbildung erfolgreich und wurde in zahlreichen Büchern, wissenschaftlichen Arbeiten (u.a. Promotion) dokumentiert und in ihrer Wirksamkeit bestätigt. Sie gründet auf Ansätzen der humanistischen Psychologie, Anthropologie, Kunsttherapie und -pädagogik.

Netzwerk

Wir wollen ein interdisziplinäres Netzwerk entwickeln, das seine Teilnehmer befähigt, dieses Konzeptes der Erziehung zu Selbstverantwortlichkeit, Toleranz und Völkerverständigung auf non-verbaler Basis durch Tanz und Körperarbeit kontinuierlich und selbständig weiterzuentwickeln.

Produkte

Die existierenden umfangreich erprobten Handbücher, Unterrichtsvideos und CDs des Curriculum „Ästhetische Erziehung durch den Körper“
sollen entsprechend den jeweiligen Erfahrungen und Notwendigkeiten adaptiert und als interaktive Lernmodule zusammen mit Videosequenzen als materielle Version, sowie auf einer Internetplatform zugänglich und für die Weiterentwicklung verfügbar sein. Durch die begleitende Untersuchung können wir die Universalität, beziehungsweise die Spezifität von Übungen, Stilen, Themen und Konzepten besser einschätzen und Hinweise auf Konturen eines allgemein für alle Menschen gültigen integrativen Kulturkonzeptes: „Ästhetische Bildung durch den Körper als Erfahrung der Natur im Menschen“ bekommen.

Nutzen

Diese angepaßten Curricula können in Schulen aller Art und Weiterbildungen für Multiplikatoren sinnvoll eingesetzt werden. Die Stärkung der Selbstregulation und der Selbstheilungskräfte kann allen Menschen, besonders aber Kindern und Jugendlichen nutzen. Besondere Zielgruppe sind aber Schulen und Jugendeinrichtungen in benachteiligten Vierteln.

Seminare etc.

Ergebnisse der Untersuchung aus Videos,
Fragebögen, sowie die Einschätzungen der Assistenzlehrer werden auf einer Konferenz aller Teilnehmer und Fachkongressen vorgestellt. In einem zweiten Arbeitsgang werden konkrete Unterrichtsprojekte mit den Partnern aus dieser Untersuchung entworfen, um Adaptationen dieses Konzeptes an die lokalen Gegebenheiten und Anforderungen praktisch in Schulen u.ä. umzusetzen. Mit lokalen non-professionellen Gruppen werden Performances in Schulen, etc. durchgeführt.

Evaluation

Durch eine Auswertung von Videos, Fragebögen der Teilnehmer, sowie der Einschätzungen der Assistenzlehrer können wir die Universalität, beziehungsweise der Spezifität von Übungen, Stilen, Themen und Konzepten erforschen und in Richtung eines allgemeingültigen integrativen Kulturkonzeptes weiterentwickeln. An einer Zufallsauswahl von Schülern der Projektteilnehmer werden die Entwicklung von Aggressivität, Kreativität, sozialer und körperliche Kompetenz, Selbstsicherheit, Ängstlichkeit, Depressivität, Intraversion/Extraversion, psychotischem Verhalten und Aufmerksamkeit getestet. Dabei wird darauf geachtet, daß die zugrundeliegenden Fähigkeiten unabhängig von der altersbedingten Verbesserung der Fertigkeiten getestet werden können. Durch Anwendung einer Split-Half-Version, ist die Relativierung der Ergebnisse durch testen einer Kontrollgruppe möglich.

Verbreitung

Bei erfolgreicher Arbeit dieses Projektes wird das Netzwerk auf mehr
Länder erweitert. Der Körper als Träger persönlicher und kultureller Identität könnte zugleich eine gemeinsame Sprache sein, die in ärmeren und entwickelten Ländern verstanden wird. Wir können sowohl auf non-verbaler Ebene auf der Basis des direkten praktischen Austausches der Lehrer und Schulen kooperieren, als auch auf der Meta-Ebene der Analysen und Konferenzen.

Planung

2004 Beantragung und Akquisition von Mitteln, Planung des Overall-Zeitplans.
Ende 2004 Orientierungswochenenden in allen beteiligten Organisationen, bei denen Interessenten ausprobieren können, ob die Weiterbildung für sie gut und interessant ist.
2005 Durchführung von je drei 6-Tage-Blocks mit jeweils 3 Unterrichtseinheiten à 150 Minuten in jeder teilnehmenden Institution. Zwischen den Blocks setzen die Teilnehmer das Konzept praktisch um, stellen Schritte fest, die für die Optimierung ihrer Arbeit nötig wären und sammeln Erfahrungen mit der Umsetzbarkeit.
2006 Evaluation durch die Partnerorganisationen gemeinsam mit den Teilnehmern. Je drei zweitägige Workshops in jeder Institution, bei dem die Erfahrungen reflektiert und die praktischen Schritte unterrichtet werden, die von den Partnerorganisationen für die Optimierung als nötig mitgeteilt wurden.
Ende 2006 Allgemeiner Kongreß aller Teilnehmer und Partnerorganisationen; Unterrichtsdemonstrationen, Erfahrungsaustausch, Veröffentlichung der Curricula. Forschungsergebnisse, Artikel, etc., Anwendung der Curricula in Schulen und anderen Zentren.
Ab 2007 Kontinuierlicher Prozeß des Erfahrungsaustausches und der Optimierung.

Bemerkung

Tanz und Körperarbeit gelten als Luxus der Mittelschicht und Hobby der
Avantgarde. In ein psychologisch/philosophisches Konzept eingebettet setzen sie aber im Zentrum von Diskriminierung und Ausgrenzung an, der Einstellung. Ärmere Länder und Stadtviertel sind von den großen kulturellen und emanzipatorischen Strömungen der Weltkultur abgeschnitten. Sie leiden unter Ausgrenzung und Gewalt. Vielfalt wird nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung erlebt. Von der Lösung dieser Problematik hängt unserer Ansicht nach die Zukunft der Offenen Gesellschaft ab. Ohne ein Verständnis von Selbstverantwortlichkeit, für die Pluralität von Lebensstilen und ohne ein Gegengewicht zur im Augenblick dominierenden Modernitätsvermittlung durch einseitig konsumorientierte Medien sind wirtschaftliche Gesundung und die Entwicklung von mehr Demokratie nicht möglich. Für den Zusammenhalt derGesellschaft und auch auf europäischer Ebene brauchen wir ein Konzept integrativer Pädagogik, das grundlegende Gemeinsamkeiten erfahrbar macht. Ästhetische Bildung und Improvisation meinen nicht nur Freiheit zur individuellen Gestaltung, sondern berufen sich auf allen Menschen Gemeinsames, archetypisches, wie Wahrnehmung und Ausdruck des Körpers. Diese differenzierte Körperwahrnehmung und Kreativität sind Voraussetzungen für einen akzeptierenden Umgang mit sich und anderen, also die beste Aggressionsprävention. Tanz kann in der symbolischen Bewegung ausdrücken, was ein Mensch fühlt und kann es so ausdrücken, daß die anderen Menschen es verstehen können. So wird die Schranke der Abgrenzung (die eine Grundlage der Ausgrenzung darstellt) durchbrochen.